Dienstag, 29. November 2016

Sommerblumen im Kalthaus

In meinem Garten gibt es viele mehrjährige Stauden und Blüher, aber ohne einjährige Frühlings-, Sommer- und Herbstblüher ist der Garten langweilig. Cosmeen und Kapuzinerkresse, Ringelblumen und Astern, Wicken und Sonnenblumen, die Liste ist endlos.


In den letzten Jahren zog ich die Sommerblüher immer gemeinsam mit dem Gemüse ab Jänner / Feber / März im Haus vor und setzte die Schönheiten dann nach den letzten Frösten ins Freie. Einige säte ich auch gleich ins Beet. Das Ergebnis war immer das Gleiche - sie kamen wunderschön, aber spät. Spät im Jahr meine ich, die Kapuzinerkresse beispielsweise wurde erst im Herbst so richtig üppig und blühfreudig - kurz darauf erledigte sie aber leider der erste Frost.


Meine Sommerblumen sind zu Beginn der Saison einfach noch relativ klein, sehr klein sogar im Vergleich zu gekaufter Ware. Abgesehen davon, dass es budgetär einen riesigen Unterschied macht, ob ich eine Samentüte zu einem Euro kaufe und daraus Dutzende Pflanzen anziehen kann oder eine einzelne Pflanze um mindestens ein bis zwei Euro zukaufen muss - die gekauften Pflanzen sind schlicht weniger robust.

Die Erklärung ist einfach: gekaufte Sommerblüher werden unter optimalsten Bedingungen darauf getrimmt, zum Kaufzeitpunkt gut auszusehen. In meinem Garten herrschen aber keine perfekten Bedingungen, sondern normales Wiener Gartenwetter. Im Haus und im Frühbeet herrschen sogar eher lebensfeindliche Klimazonen, ein Wunder, dass hier etwas gedeiht, zu trocken, zu dunkel, zu warm. Meine selbstgezogenen Pflanzen sind also Kummer gewöhnt und entsprechend robust. Somit gedeihen sie, wenn sie sich einmal etabliert haben, einfach optimal, werden selten von Schnecken und Läusen heimgesucht und nehmen, da sie ein starkes Wurzelsystem haben, auch Trockenheit nicht so übel.

Mein Dilemma: wunderbare Sommerblüher, leider erst so richtig schön am Herbstanfang.


Etliche Recherchen zu diesem Thema brachten Licht ins Dunkel.Pflanzen haben einen gewissen Wachstumszyklus, den wir Laien eigentlich nicht beeinflussen können. Sie brauchen eine längere Zeitspanne, um das Wurzelsystem entsprechend auszubilden, damit die oberirdischen Teile ordentlich versorgt werden können. Das dauert, bei vielen eben fast die ganze Saison.

Eine Idee ist, die Sommerblumen (wie es die Gärtnereien machen) bereits im Herbst auszusäen und im Kalthaus zu überwintern. Hell, kühl und frostfrei.


Tja, ich habe kein Kalthaus, aber eine recht gut isolierte Gartenhütte mit einem Fenster. Daher starte ich heuer das Experiment der frühen Aussaat. Gestern säte ich etliche Sommerblüher (Margariten und Ringelblumen) in die Anzuchtöpfe und stellte sie aufs warme (!) Fensterbrett in die Küche. Sobald sie keimen und die ersten Blätter zeigen, kommen sie sofort in die Gartenhütte, wo es hoffentlich kalt genug ist, dass sie nicht dünn und langhaxig und schwach wachsen. Bei weniger als -5°C friert es auch in der Hütte, in diesem Fall müsste ich die Töpfchen kurzfristig ins Haus holen, allerdings gibt es bei uns selten langfristig so tiefe Temperaturen. (Hüstel, -6°C heute früh, hoffentlich war das schon die erste große Kältewelle, nicht einmal die Katzen wollen heute ins Freie.)


Wie gesagt, ein Experiment. Ich berichte weiter, ob es funktioniert.

Das Gemüse, vor allem die Tomaten, ziehe ich immer schon Mitte Jänner an. Jeder lacht mich aus, wenn meine langhaxigen hellen Tomatenpflanzen im April im Fenster wuchern. Im Mai kommen sie aber ins Beet, werden tief (!!!) eingegraben und ab Juli gibt es in guten Jahren die tollsten Früchte. Eine spätere Aussaat führt nur dazu, dass die Pflanzen erst im August Blüten ansetzen und die Tomaten nicht mehr ausreifen.

Und zu Thema antizyklisch arbeiten bin ich noch einen Bericht schuldig. Im Mai erwarb ich wunderbare Scheinbeeren um einen sehr günstigen Preis. Gedacht waren die Töpfe als Weihnachstsdekoration. Es hätte auch alles wunderbar geklappt und die Pflanzen wären jetzt im Advent richtig toll - wenn, ja wenn ich keinen Hund hätte.

Louise ist ein Traumhund, pflegeleicht, freundlich, immer gut gelaunt, absolut sauber, relativ folgsam - sie hat nur eine winzigkleine Eigenschaft, die mich manchmal in den Wahnsinn treibt: sie gärtnert ebenso gerne wie ich. Leider bedeutet "Garteln" in der Hundesprache vor allem "Graben". Ok, die Gemüsebeete haben schon einen Zaun und auch sonst müssen wir junge Pflanzen unbedingt schützen, sonst sind sie schneller ausgegraben, als wir sie setzen können. Das war leider auch das Schicksal der Scheinbeere.

Das wäre auch einmal ein Thema, Hundebesitzer gibt es unter meinen Leserinnen ja genug. Wie schützt ihr den Garten vor dem Hund? Oder ist meine kleine Hundedame die einzige, die für ihr Leben gerne gräbt?

Mit lieben Grüßen
Marie

Natürlich nehme ich auch wieder an Linkpartys teil. 



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