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Hochzeiten

Jetzt im Frühling trudeln sie wieder ein - die Hochzeitseinladungen. Perfekt, wunderschön, an tollen Orten, mit sensationellen Ideen - und leider auch sensationell teuer.

Ich erinnere mich an unsere Hochzeit. Es ist schon lange her, wir waren damals noch Studenten, hatten ein Fülle von Ideen, viele Freunde und ein sehr beschränktes Budget.

Einige Ideen, die uns damals zigtausende Schillinge sparten und unsere Hochzeit zu einem Erlebnis für alle Beteiligten machten, möchte ich euch vorstellen. Noch heute, mehr als 15 Jahre danach, erinnern sich unsere Freunde gerne an dieses schöne und unkomplizierte Fest.

Hochzeitszeitschriften:
Unbedingt notwendig! Man findet so viele Ideen zum Nachmachen. Aber die Zeitschriften sind teuer!
Mein Tipp: ausleihen. In den meisten größeren Leihbüchereien gibt es auch eine Zeitschriftenabteilung. Sie führen zwar vielleicht nicht die allerneuesten Nummern, aber ehrlich gesagt ändert sich am Hochzeitssektor nicht so wahnsinnig viel. Alternative: von anderen Bräuten ausborgen oder im Internet recherchieren.

Das Brautkleid:
Ein tolles Brautkleid musste sein. Einmal im Leben Prinzessin spielen, darauf wollte ich nicht verzichten. Nach einigen strapaziösen Nachmittagen, an denen ich in Begleitung meiner Schwägerin sämtliche Brautmodengeschäfte unserer Stadt abklapperte, war eines klar: entweder ich kaufte ein billiges Hochzeitskleid - von denen mir nicht eines wirklich gefiel - oder Ausleihe. Schließlich entschied ich mich für einen winzigen Brautmodenverleih, der absolut traumhafte Kleider vorrätig hatte. Das Ausleihen kostete samt Reinigung etwa so viel wie ein billiges Kleid. Dafür trug ich eine Robe, die beim Kauf unser gesamtes Hochzeitsbudget aufgefressen hätte. Noch ein Vorteil: nach der Hochzeit konnte ich das Kleid zurückbringen und muss es seither nicht von Schrank zu Schrank räumen und bei jedem Umzug wieder mitnehmen.
Eine weitere tolle Möglichkeit, die viele meine Freundinnen wählten, ist die Trachtenhochzeit. Es muss ja kein weißes Brautdirndl sein. Ein schönes Dirndl mit ganz langem Rock kann man danach kürzen lassen und noch viele Jahre verwenden.

Brautschuhe:
Unter einem langen Kleid sieht man sie nicht. Gar nicht. Ein einfaches weißes Modell, in dem man gut gehen und stehen kann, reicht aus.

Der Hochzeitsanzug:
Hochzeit im Stresemann, abends dann Smoking, klar, das ist stilvoll. Und wenn jemand Stresemann und Smoking öfter braucht, weil er viel auf Bälle geht oder im Diplomatischen Dienst ist, so macht die Anschaffung Sinn.
Wir haben darauf verzichtet. Mein Mann kaufte sich einen wirklich schönen dreiteiligen schwarzen Anzug, den er danach noch etliche Jahre tragen konnte. Erst vor kurzem haben wir ihn ausgemustert. Er war zwar noch in Ordnung, mittlerweile leider aber völlig unmodern.

Kirche, Musik, Agape und Organisation:
Wie gesagt, wir waren sehr jung, hatten wenig Geld und viele Freunde mit ebenso wenig Geld. Also baten wir alle, uns nichts zu schenken, sondern an unserer Hochzeit mitzuwirken. Einige konnten gut singen, sie stellten den Kirchenchor. Ein paar Musiker mit Gitarre und Flöte spielten in der Messe. Vor der Kirche bereiteten einige Freunde eine einfache Agape mit Brötchen, Wein und Wasser vor. Priester und Ministranten waren ebenfalls Freunde. Außer einer kleinen Spende an die Kirche kostete unsere kirchliche Trauung nichts.

Agape:
Trotz kostensparender Organisation konnten wir unmöglich alle Gäste, die in der Kirche dabei waren, zur Tafel bitten. Also luden wir nur die engsten Freunde und die Familie (auch fast 100 Leute) zur Tafel und für alle anderen gab es nach der Kirche eine Agape. Vor unserer Hochzeitskirche gab es einen wunderschönen Vorplatz mit Arkaden, dort konnten unsere Freunde ein einfaches Buffett aufbauen und dort konnte auch die Gratulation stattfinden. Somit konnten wir uns bei allen Gästen bedanken, auch wenn sie abends nicht bei der Tafel geladen waren.

Die Blumenkinder:
Davon hatten wir viele, 10 Stück. Alle Kinder unserer Freunde und mein Patenkind waren dabei. Natürlich konnten wir die Kinder nicht einkleiden. Wir gaben einfach das Motto blau - weiß aus. Die Buben trugen blaue Hosen und weiße Hemden, die Mädchen weiße oder hellblaue oder blau-weiß-gepunktete Sommerkleider. Mein Patenkind trug die Ringe, ihr Bruder die Hochzeitskerze (ein Geschenk einer Freundin meiner Mutter) und die kleineren Kinder einfach Körbchen mit Blütenblättern (diese hatten wir dem Blumenhändler abgeschwatzt).

Papierwaren:
Als angehende Architekten waren wir recht kreativ. Außerdem haben wir einen Freund, der wunderbare Karrikaturen macht. Er zeichnete als Geschenk meinen Mann und mich, diese Grafik verwendeten wir für alle Vordrucke. Papierwaren am Computer gestalten und in einem guten Copyshop auf schönes dickeres Papier drucken lassen, war damals recht preiswert möglich.
Es war zwar viel Arbeit, vor allem, weil die kleineren Karten, Tischkarten, etc. alle noch geschnitten werden mussten. Außer den Papier- und Kopierkosten war die Sache aber gratis.
Heutzutage gibt es im Internet tausende Ideen und kostenlose Vorlagen, die man verwenden kann.

Hochzeitstorte:
Die netteste Geschichte gibt es zu unserer Hochzeitstorte zu erzählen. Eine sehr liebe Freundin bäckt mit Begeisterung Torten. Also baten wir sie um die Hochzeitstorte. Da sie sehr kreativ ist und wir Architektur studierten, wollte sie uns etwas ganz Besonderes schenken. Sie entschied sich für das Empire State Building in Tortenform.
Eine Herausforderung. Denn die Torte musste für fast 100 Gäste reichen und frisch sein. In einer kleinen Küche kein einfaches Unterfangen.
Unsere liebe T. buk schon zwei Tage vorher die Teiggrundlagen. Schokolade, Biskuit, Mandelbiskuit und viel weitere köstliche Variationen. Am Abend vor der Hochzeit begann dann die heiße Phase - das Zusammensetzten der Torte.
Schicht um Schicht wurde mit verschiedenen Cremen aufeinandergeschichtet - fast 1 m hoch. Leider ist T. keine Architektin und der Begriff Statik kam ihr erst in den Sinn, als die Torte sich bedrohlich neigte. Sie war zu groß, zu schwer und zu schlank. Verzweifelt versuchte sie mit verschiedenen Tricks die Torte abzustützen. Vergeblich.

Schließlich blieb ihr nichts anderes übrig, als die Gebäudespitze auf die Basis zu setzten, und den Mittelteil daneben stehen zu lassen. Ein zweigeteiltes Gebäude. Erst um 5 Uhr früh kroch sie todmüde ins Bett.
T. war anfangs todunglücklich, aber alle Hochzeitsgäste waren von der Torte und der dazugehörigen Geschichte begeistert. Und für uns war es die beste und schönste Torte, die wir je gegessen hatten.

Musik bei der Tafel:
Eine Band oder Musikgruppe konnten wir uns nicht leisten. Keine Chance. Außerdem finde ich die meisten Gruppen recht aufdringlich. Einen Abendgestalter, der unsere Gäste animiert oder bei Laune hält, brauchten wir außerdem nicht. Wir hatten auch so viel Spaß.
Ein guter Freund brachte einfach seine Musikanlage mit, alle Freunde entsprechende CDs und als DJs wechselten sie sich ab. Super! Heutzutage ist es noch einfacher: eine tolle Playlist am iPod zusammenstellen und nach Bedarf abspielen.

Kreativität ist gefragt. Eine Hochzeit, auch mit vielen Freunden und Gästen, muss nicht teuer sein. Im Gegenteil, wenn viele Freunde mithelfen, wird es ein besonders schönes Fest.

Mit liebem Gruß
Marie