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Freitag, 30. Januar 2015

Kinder und die neuen Medien

Kinder lieben jedes elektronische Spielzeug - wir Eltern können ein Lied davon singen. Fernseher, Ipod, Gameboy, Smartphone, Tablet, Notebook und wie sie alle heißen, nichts ist vor ihnen sicher. Und Kinder wollen damit Zeit verbringen, viel Zeit, viel zu viel Zeit, meiner Meinung nach.

Ich nutze selbst beruflich und privat viele dieser Medien und bin auch der Meinung, das Kinder damit umgehen lernen müssen. Unsere Welt funktioniert nun einmal so. Auf der anderen Seite ist der Suchtfaktor gerade für Kinder extrem hoch, die Angebote werden immer vielfältiger, und Kinder sind selbst auf gar keinen Fall in der Lage, ihren Medienkonsum zu organisieren.

Seit Jahren probiere ich verschiedene Lösungen aus, um eine vernünftige Balance zwischen Verbieten und Erlauben zu finden. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Als die Kinder noch kleiner waren ging es mit einem Zeitkonto und der Einschränkung der verfügbaren Medien recht gut. Jedes Kind hatte etwa ab der Volksschulzeit täglich eine halbe Stunde, die es mit elektronischem Spielzeug oder Fernsehen verbringen durfte. Für kleinere Kinder eine gute Lösung, man sucht gemeinsam Computerspiele oder Fernsehsendungen aus und diese dürfen dann konsumiert werden. Ist die Sendung vorbei, wird der Fernseher abgedreht. Eine Spielkonsole haben wir bis heute nicht.

Bei größeren Kindern funktioniert das leider nur mehr sehr eingeschränkt. Was mich am Medienkonsum stört ist weniger der Konsum an sich - obwohl er genug Gefahren birgt. Es ist vielmehr die Zeit, die den Kindern für andere Tätigkeiten fehlt. Freizeitaktivitäten, die ihnen, wenn sie erst damit begonnen haben, viel mehr Spaß machen.

Als mein Zwölfjähriger darüber klagte, dass er eigentlich keine Freizeit habe, obwohl er gerade stundenlang mit Freunden online war, schrillten bei mir die Alarmglocken. Kinder empfinden die Zeit, die sie mit den Medien verbringen, gar nicht als Freizeit. Es ist absolut tote, verlorene Zeit!

Also war es Zeit, den Medienkonsum neu zu überdenken.

Mit meinen Kinder entwickelte ich folgenden Plan: die Zeit für den wöchentlichen Medienkonsum muss mit anderen "Tätigkeiten" erworben werden. Ich spreche hier jetzt nur zu einem ganz kleinen Teil von Hilfe im Haushalt, etc. Vielmehr haben wir eine Liste von eigentlich spannenden Freizeitaktivitäten entwickelt, die viel erfüllender sind, für die man sich aber etwas mehr "anstrengen" muss, als fürs "Zocken"

Jede Stunde (oder eine andere Einheit) einer dieser Tätigkeiten ergibt eine halbe Stunde "Medienzeit":
  • 50 (25) Seiten in einem guten Buch lesen, das kein Comic ist
  • eine halbe Stunde mit dem Papa laufen
  • 20 Längen im Schwimmbad schwimmen
  • eine halbe Stunde Klavier (Gitarre) spielen
  • eine halbe Stunde zusätzlich Englisch oder Latein üben (Bonus: gibt eine Stunde Medienzeit)
  • eine halbe Stunde im Garten oder im Haushalt helfen (meine Kinder lieben Gartenarbeit und sind mir eine echte Hilfe, also kann ich sie dafür auch belohnen)
  • eine halbe Stunde Radfahren, Boarden oder Eislaufen
  • jede sportliche Betätigung, und sei es Seilspringen, Rad schlagen oder Diabolo im Garten
  • das Zimmer piccobello aufräumen und saugen
  • Malen, Zeichnen, Basteln, kreative Betätigung
  • mit Freunden abhängen ohne Handys, etc.
  • Lego Modelle bauen
  • mit dem Nachbarshund spazieren gehen
Die Liste wird fortgesetzt und angepasst. Sie ist einmal ein erster Entwurf.

Wir haben uns bemüht, Tätigkeiten aufzunehmen, die die Kinder eigentlich sowieso gerne machen oder machen müss(t)en, also einerseits Freizeitaktivitäten, andererseits auch Tätigkeiten, die nicht so beliebt sind, aber erledigt werden müssen.

Dazu ist zu sagen: meine Kinder lieben Bücher und lesen auch gerne. Aber in letzter Zeit konnte ich beobachten, dass das Lesen zugunsten des Smartphones immer weiter zurückgedrängt wurde. Da heute Zeugnisverteilung ist, durfte sich jedes Kind zur Belohnung gleich zwei neue Bücher aussuchen.

Ebenso ist es mit kreativen Tätigkeiten: es ist vordergründig weniger anstrengend, sich vor den Fernseher zu setzen als den Malkasten auszupacken. Wenn die Kinder allerdings einmal mit dem Malen angefangen haben, sind sie kaum zu bremsen und verbringen viele Stunden damit.

Wir beginnen am Anfang der Woche bei Null. Jede Tätigkeit erhöht die Zeit für den Medienkonsum. Und wer beispielsweise eine Stunde mit dem Rad gefahren ist, darf gerne eine Stunde Fernsehen, weil der Sport für guten Ausgleich sorgt. Denn auch hier musste ich beobachten, dass meine Kinder sich zunehmend weniger bewegten, vor allem im Winter. Sie sind zwar schlank, sportlich und aktiv, andererseits aber im "gefährlichen" Alter zu Beginn der Pubertät, wo viele den kindlichen Elan verlieren und mit der täglichen Bewegung aufhören. Das Ergebnis sieht man jeden Tag in der U-Bahn.

Im Prinzip ist diese Liste nichts anderes als eine Initialzündung, der Anreiz, etwas anderes zu machen als auf einen Bildschirm zu starren. Ob es funktioniert, werde ich sehen und berichten. Aber alleine die Liste und die Diskussion über mögliche Aktivitäten hat meinen Kindern viel Spaß und jetzt, zu Beginn der Ferien, Lust auf Alternativen zu Computer und Co gemacht.

Natürlich sind auch wir Eltern hier massiv gefordert. Denn wir müssen den Kindern das Umfeld bieten, in dem sie ihre Freizeit aktiv gestalten können.

Wie regelt ihr den Medienkonsum bei den Kindern? Gar nicht? Mit Verboten? Mit Belohnungen? Was funktioniert in welchem Alter? Ich freue mich auf viele Rückmeldungen und Ideen.

Mit liebem Gruß

Marie


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Montag, 16. September 2013

Leselust

Ich gebe es gerne zu - ich bin lesesüchtig. Es gibt für mich nichts Schöneres, als in einem Buchgeschäft zu stöbern oder einen großen Stapel ungelesener Bücher aus der Bibliothek nach Hause zu bringen. Für mich sind ungelesene Bücher wie wunderbare Überraschungseier, die ich langsam und genüsslich verzehren darf. Und trotz meines gut gefüllten Tagesplans finde ich immer wieder Zeit zum Lesen.


Ich habe mir lange vor der Einschulung das Lesen selbst beigebracht und seither immer viel gelesen. Meine kindliche Leselust wurde durch eine sehr bücherfreundliche Umgebung gefördert. Meine Eltern sind beide richtige Bücherwürmer, ihre private Bibliothek umfasst mehr Bücher als eine kleinstädtische Leihbücherei und bei meinen mittlerweile drei Umzügen waren meine Bücherkisten immer die größte und schwerste Herausforderung.

In Zeiten von Computer, Spielkonsolen, hunderten Fernsehsendern und vielen anderen Ablenkungen ist es aber wesentlich schwieriger, die eigenen Kinder zum Lesen zu motivieren. Einige Tricks haben mir geholfen, aus meinem knapp Elfjährigen allerdings bereits eine Leseratte zu machen und mein knapp Neunjähriger ist mittlerweile auch auf diesem Weg.

Bücher sind bei uns generell positiv besetzt. Meine Kinder "mussten" niemals lesen oder Bücher anschauen, sie "durften" es. Auch schon im Kleinkindalter habe ich ihnen erlaubt, unsere (zahlreichen) Bildbände und Architekturschmöker aus dem Regal zu nehmen und anzusehen - soferne sie vorsichtig damit umgegangen sind. Einige Schutzumschläge haben es nicht überlebt, ich musste auch immer wieder kleinere Risse kleben, aber Bücher sind zum Lesen da. Es gibt für mich nichts Schlimmeres als ein Regal voller Bücher, denen man ansieht, dass sie noch niemand gelesen hat und die nur zu Dekorationszwecken dienen.


Zu allen Anlässen gab und gibt es immer Büchergeschenke. Dies hat dazu geführt, dass auch die Bücherregale in den Kinderzimmern bereits im Kleinkindalter gut gefüllt waren. Abends, vor dem Schlafengehen, habe ich meinen Kindern aus den Büchern vorgelesen. Wenn es einmal hektischer war und zum Vorlesen keine Zeit blieb, durften sie zumindest im Bett noch Bücher ansehen.
Heute fragen meine Kinder beim Schlafengehen automatisch: wie lange darf ich noch lesen?

Eine weitere wunderbare Institution sind die Leihbüchereien, die in fast jeder Stadt und Gemeinde angeboten werden. Leider habe ich den Eindruck, dass diese langsam in Vergessenheit geraten und viele Freunde meiner Kinder kennen diese Büchereien nicht mehr. Dabei ist das Angebot fast überall großartig und die Benützung für Kinder meist kostenlos.

Leihbüchereien helfen auch sehr effektiv bei der Entlastung des Haushaltsbudgets. Obwohl ich so gerne lese, möchte ich definitiv nicht alle Bücher besitzen. Für einen geringen Jahresbeitrag kann ich soviel lesen, wie ich möchte, Kinder zahlen meist gar nichts. Wenn mir ein Buch besonders gut gefällt, kann ich es danach ja immer noch kaufen.

Wir machen aus dem Besuch der Bücherei einen richtigen Ausflug. Wir fahren oder gehen zur Bibliothek, verbringen mindestens eine vergnügliche Stunde damit, viele Bücher anzusehen und wählen sorgfältig aus, was mit nach Hause gebracht werden darf. Viele Bibliotheken bieten auch wunderbare Hörspiel CDs oder andere Medien an, von denen auch jeweils eines ausgeborgt werden darf.
Haben sich die Kinder dann für fünf oder sechs Bücher entschieden, werden diese in den Rucksack gepackt und zu Hause angekommen dürfen sich die Kinder in die neuen Bücher vertiefen.


Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an die wunderbaren Nachmittage in der Leihbücherei. Meine Schwester, meine Mutter und ich gingen gemeinsam dorthin, wir durften lange schmökern und die nette Bibliothekarin hatte uns immer etwas Besonderes aufgehoben. Sie hatte eine Lade mit den absoluten "Bestsellern", die nicht offen im Regal standen. Zu unserer Zeit waren das "Fünf Freunde", "Drei Fragezeichen", "Dolly", "Hanni und Nanni", etc.  Jede von uns durfte sich daraus ein Buch aussuchen.
Auf dem Rückweg machten wir Station in der Bäckerei und kauften frische Brioche-Kipferln.
Zu Hause kochte unsere Mutter Kakao, wir durften die Brioche-Kipferln essen und in den gemütlichen Wohnzimmersessel gekuschelt lesen.
Interessanterweise verschütteten wir niemals den Kakao auf die Bücher...

Leselust und Freude an Büchern kann man fördern. Und damit den Kindern ein Geschenk machen, das ihnen lebenslang Freude machen wird.

In diesem Sinne: Gutes Lesen!

Marie