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Montag, 16. September 2013

Leselust

Ich gebe es gerne zu - ich bin lesesüchtig. Es gibt für mich nichts Schöneres, als in einem Buchgeschäft zu stöbern oder einen großen Stapel ungelesener Bücher aus der Bibliothek nach Hause zu bringen. Für mich sind ungelesene Bücher wie wunderbare Überraschungseier, die ich langsam und genüsslich verzehren darf. Und trotz meines gut gefüllten Tagesplans finde ich immer wieder Zeit zum Lesen.


Ich habe mir lange vor der Einschulung das Lesen selbst beigebracht und seither immer viel gelesen. Meine kindliche Leselust wurde durch eine sehr bücherfreundliche Umgebung gefördert. Meine Eltern sind beide richtige Bücherwürmer, ihre private Bibliothek umfasst mehr Bücher als eine kleinstädtische Leihbücherei und bei meinen mittlerweile drei Umzügen waren meine Bücherkisten immer die größte und schwerste Herausforderung.

In Zeiten von Computer, Spielkonsolen, hunderten Fernsehsendern und vielen anderen Ablenkungen ist es aber wesentlich schwieriger, die eigenen Kinder zum Lesen zu motivieren. Einige Tricks haben mir geholfen, aus meinem knapp Elfjährigen allerdings bereits eine Leseratte zu machen und mein knapp Neunjähriger ist mittlerweile auch auf diesem Weg.

Bücher sind bei uns generell positiv besetzt. Meine Kinder "mussten" niemals lesen oder Bücher anschauen, sie "durften" es. Auch schon im Kleinkindalter habe ich ihnen erlaubt, unsere (zahlreichen) Bildbände und Architekturschmöker aus dem Regal zu nehmen und anzusehen - soferne sie vorsichtig damit umgegangen sind. Einige Schutzumschläge haben es nicht überlebt, ich musste auch immer wieder kleinere Risse kleben, aber Bücher sind zum Lesen da. Es gibt für mich nichts Schlimmeres als ein Regal voller Bücher, denen man ansieht, dass sie noch niemand gelesen hat und die nur zu Dekorationszwecken dienen.


Zu allen Anlässen gab und gibt es immer Büchergeschenke. Dies hat dazu geführt, dass auch die Bücherregale in den Kinderzimmern bereits im Kleinkindalter gut gefüllt waren. Abends, vor dem Schlafengehen, habe ich meinen Kindern aus den Büchern vorgelesen. Wenn es einmal hektischer war und zum Vorlesen keine Zeit blieb, durften sie zumindest im Bett noch Bücher ansehen.
Heute fragen meine Kinder beim Schlafengehen automatisch: wie lange darf ich noch lesen?

Eine weitere wunderbare Institution sind die Leihbüchereien, die in fast jeder Stadt und Gemeinde angeboten werden. Leider habe ich den Eindruck, dass diese langsam in Vergessenheit geraten und viele Freunde meiner Kinder kennen diese Büchereien nicht mehr. Dabei ist das Angebot fast überall großartig und die Benützung für Kinder meist kostenlos.

Leihbüchereien helfen auch sehr effektiv bei der Entlastung des Haushaltsbudgets. Obwohl ich so gerne lese, möchte ich definitiv nicht alle Bücher besitzen. Für einen geringen Jahresbeitrag kann ich soviel lesen, wie ich möchte, Kinder zahlen meist gar nichts. Wenn mir ein Buch besonders gut gefällt, kann ich es danach ja immer noch kaufen.

Wir machen aus dem Besuch der Bücherei einen richtigen Ausflug. Wir fahren oder gehen zur Bibliothek, verbringen mindestens eine vergnügliche Stunde damit, viele Bücher anzusehen und wählen sorgfältig aus, was mit nach Hause gebracht werden darf. Viele Bibliotheken bieten auch wunderbare Hörspiel CDs oder andere Medien an, von denen auch jeweils eines ausgeborgt werden darf.
Haben sich die Kinder dann für fünf oder sechs Bücher entschieden, werden diese in den Rucksack gepackt und zu Hause angekommen dürfen sich die Kinder in die neuen Bücher vertiefen.


Ich erinnere mich aus meiner Kindheit an die wunderbaren Nachmittage in der Leihbücherei. Meine Schwester, meine Mutter und ich gingen gemeinsam dorthin, wir durften lange schmökern und die nette Bibliothekarin hatte uns immer etwas Besonderes aufgehoben. Sie hatte eine Lade mit den absoluten "Bestsellern", die nicht offen im Regal standen. Zu unserer Zeit waren das "Fünf Freunde", "Drei Fragezeichen", "Dolly", "Hanni und Nanni", etc.  Jede von uns durfte sich daraus ein Buch aussuchen.
Auf dem Rückweg machten wir Station in der Bäckerei und kauften frische Brioche-Kipferln.
Zu Hause kochte unsere Mutter Kakao, wir durften die Brioche-Kipferln essen und in den gemütlichen Wohnzimmersessel gekuschelt lesen.
Interessanterweise verschütteten wir niemals den Kakao auf die Bücher...

Leselust und Freude an Büchern kann man fördern. Und damit den Kindern ein Geschenk machen, das ihnen lebenslang Freude machen wird.

In diesem Sinne: Gutes Lesen!

Marie